Pressemitteilung

Ein Architekturbüro im ehemaligen Marine-Lazarett – Wohnen und arbeiten im Anscharpark Kiel

Das alte Marine- und Garnisonslazarett in Kiel, von 1903 bis 1907 im historistischen Stil erbaut, wurde fast ein ganzes Jahrhundert genutzt. Nach einer Zeit des Zerfalls entstand ein neues Nutzungskonzept für das denkmalgeschützte Ensemble mit dem Ziel einer behutsamen Nachverdichtung.

Mit dem ehemaligen Absonderungshaus hatte eine private Eigentümergemeinschaft eins der zwölf noch erhaltenen Gebäude im Anscharpark im Kieler Stadtteil Wik von der Arbeitsgemeinschaft Anscharpark erworben. Das Haus am Rand des Klinikums diente früher zur Behandlung von Patienten mit ansteckenden und psychischen Krankheiten.

„Das Gebäude war in einem sehr schlechten Zustand, so dass nach dem Erwerb zuerst einmal Sicherungsarbeiten zu erledigen waren: Zerbrochene Fenster wurden mit Holzplatten verschlossen und notdürftig abgedichtet“, berichtet Jan O. Schulz, einer der drei Geschäftsführer der BSP Architekten, denen der Umbau und die Sanierung des Gebäudes oblag. Heute hat das Architekturbüro dort seinen Firmensitz.

Die eigentliche Sanierung des Absonderungshauses startete 2016 mit der Reparatur und Verstärkung des Dachstuhls sowie der Neueindeckung des Daches. Da im Inneren außer den Treppenhäusern und den tragenden Wänden keine historischen Bauteile erhalten waren, ließ die Denkmalpflege den Architekten weitgehend freie Hand in Gestaltung und Grundrissorganisation.

Behutsame Anpassung der historischen Substanz

Die historische Optik der Fassade und der Fenster sowie der Treppenhäuser wurden weitgehend rekonstruiert. Die Außenwände erhielten eine mineralische Innendämmung und die Südfassade Balkone. Alle Wohnungs- und Gewerbegrundrisse wurden auf die jeweiligen Eigentümer individuell zugeschnitten, auch die Ausstattung differiert je nach persönlichen Vorlieben.

Da das Gebäude nur zu einem kleinen Teil unterkellert war, gab es innerhalb der alten Wände keine ausreichend großen Flächen für Fahrräder. So entstand die Idee, abgesenkte Keller zu bauen, die oberirdisch lediglich als niedrige Pflanzbeete in Erscheinung treten.

Die Decken des Gebäudes bestehen aus frühen Stahlbeton-Plattenbalkendecken von lediglich 10 bis 11 cm Stärke, die nur geringe Tragreserven und miserable Schallschutzwerte hatten. Diese Decken wurden mit freitragenden Unterdecken schall- und brandschutztechnisch ertüchtigt und mit einem leichten Trockenestrich versehen. So entstanden in dem Gebäude neun Wohnungen mit Flächen zwischen 80 und 240 m2, das Büro mit 260 m2 im Erdgeschoss und ein Atelier mit 40 m2.

Entwurfsphilosophie konnte sich frei entfalten

Die BSP Architekten konnten bei diesem Projekt weitgehend ihre Entwurfsphilosophie umsetzen. Hierzu führt Jan O. Schulz aus: „Wir sind der Auffassung, dass Architektur zwar in allererster Linie den Menschen zu dienen hat, dass einem guten Entwurf aber dennoch immer ein stimmiges und ablesbares gestalterisches Konzept zugrunde liegen muss. In diesem Fall haben wir fast alle gestalterischen Entscheidungen mit der Baugruppe intensiv diskutiert, wodurch es von vornherein nötig war, jeweils schlüssige Begründungen aus dem Gesamtkonzept herzuleiten. Das war durchaus mühsam, aber es hat dazu geführt, dass das Ergebnis eine außerordentlich hohe Akzeptanz bei allen Beteiligten gefunden hat. “

Die Haustechnik wurde im Zuge der Sanierung vollständig erneuert. Die Beheizung erfolgt jetzt mit städtischer Fernwärme. Eine dezentrale Abluftanlage ohne Wärmerückgewinnung sorgt für gesunde Raumluft und Feuchteschutz. Dach, Fenster und Kellerdecke besitzen nach der Sanierung zeitgemäße Dämmwerte (EnEV oder besser). Im Zusammenspiel mit der Fassade, deren Innendämmung aus konstruktiven Gründen begrenzt ist, erfüllt das Gebäude den Energiestandard KfW-Effizienzhaus Denkmal.

Durchdacht bis ins Detail

Die gesamte Ausführung des Hauses ist auf Nachhaltigkeit und Langlebigkeit ausgelegt. Jan O. Schulz: „Glücklicherweise konnten hierfür durchgehend hochwertige Materialien einsetzen. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Türdrücker des Herstellers Randi, der sich auf Architektendesign aus Dänemark spezialisiert hat. “ Die Türdrücker des seit 2014 zum ECO Schulte Verbund gehörenden dänischen Türbeschlagspezialisten sind in die Sicherheitsarchitektur der Türsystemtechnik von ECO integriert und voll kompatibel.

Zwei Wohnungen im ehemaligen Absonderungshaus wurden auf Wunsch der Eigentümer mit Drückergarnituren Randi 1015 und Fensteroliven Randi 1715 ausgerüstet, die übrigen mit Randi 1060 und Randi 1775. Lediglich die treppenhausseitigen Knäufe der Wohnungseingangstüren, die bronziert ausgeführt werden sollten, sind von einem anderen Hersteller.

Schulz erklärt hierzu: „Wir haben die Randi-Griffe ausgewählt, weil das einfache und bescheidene Design mit den schlank proportionierten Querschnitten sehr gut zu den historischen Beschlägen passt, die in einigen anderen Gebäuden auf dem Gelände noch zu finden sind. Die Türgriffe liegen zudem sehr gut in der Hand, und die matte Edelstahloptik harmoniert sehr gut mit den durchgehend modernen Türblättern. “

 

INFOKASTEN 
Historische Rückblende Anscharpark

Im Kieler Stadtteil Wik an der Schnittstelle zwischen der Kieler Förde und dem Nord-Ostsee-Kanal entstand zwischen den Jahren 1903 und 1907 das Marine- und Garnisonslazarett. Auf dem rund 60 ha großen Gelände wurden 19 Gebäude im Stil des Historismus der Kaiserzeit nach den Plänen des Berliner Architekten Georg Schwartzkopff erbaut.

Zur Unterbringung und Pflege der Kranken dienten sieben sog. Krankenpavillons, wovon einer als Absonderungshaus etwas abseits zur Behandlung von ansteckenden und psychischen Krankheiten errichtet wurde. Ebenfalls auf dem Gelände untergebracht waren Häuser für Ärzte, Beamte, Bedienstete, die Verwaltung, das Wirtschaftshaus, ein Operationshaus, ein Badehaus, ein Kesselhaus, ein Pförtnerhaus, die Villa für den Direktor und last but not least die Leichenhalle und daneben eine kleine Kapelle.

Nach dem zweiten Weltkrieg, dem vier der historischen Gebäude zum Opfer gefallen waren, wurde das Krankenhaus von der Anschar-Schwesternschaft übernommen, später übernahm die Uni-Klinik Kiel als Nutzer die Anlage. Ende der 1990er Jahre genügten die Gebäude jedoch nicht mehr den Ansprüchen eines modernen Klinikbetriebs und konnten auch nicht mit vertretbaren Mitteln saniert werden. So wurde der Krankenhausbetrieb nach und nach eingestellt und das unter Denkmalschutz stehende Gebäude-Ensemble verfiel.

Von den verschiedenen Ideen, was mit diesem Gelände und der Bebauung geschehen sollte – immerhin eine zentrumsnahe Lage – konnte sich ein gemeinsam entwickeltes Konzept der BSP Architekten BDA aus Kiel (www.b-s-p.net) und der Conplan Projektentwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG aus Lübeck (www.conplan-projekte.de) durchsetzen. Ziele waren die Herrichtung der historischen Gebäude für eine Mischnutzung zum Wohnen und Arbeiten sowie eine behutsame Nachverdichtung. Dieses Konzept konnte wegen der zu Anfang des Milleniums schwierigen Lage auf dem Immobilienmarkt aber nur teilweise verwirklicht werden. Nach mehreren Jahren des Stillstands auf dem Gelände erwarb dann eine Arbeitsgemeinschaft aus vier schleswig-holsteinischen Wohnungsgenossenschaften den Großteil des Geländes und gründete für den Kauf und die Neugestaltung gemäß dem Nutzungskonzept die Anscharpark GbR. Drei der Gebäude waren in der Zwischenzeit so stark verfallen, dass nur noch ein Abriss in Frage kam. Von den ehemals 19 Gebäuden des Marine- und Garnisonslazaretts sind heute noch zwölf erhalten. Auf den entstandenen Freiflächen wurden bis 2018 neun neue genossenschaftliche Wohnhäuser mit 155 Wohnungen realisiert. Planung und Bau haben die BSP Architekten in Zusammenarbeit mit dem Büro Schnittger Architekten + Partner aus Kiel (www.schnittger-architekten.de) umgesetzt. Die Neubauten sollten sich dabei nicht nur in das denkmalgeschützte Ensemble der Altbauten ästhetisch einfügen, sondern auch den Parkcharakter des Geländes nicht beeinträchtigen.

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